Gestatten: Herr und Frau von Herzogenberg

Elisabeth und Heinrich von Herzogenberg

Mit dem Projekt Gestatten, Herr und Frau von Herzogenberg möchte das Vocalforum Graz einen musikalisch-literarischen Blick auf das reiche Schaffen und ereignisreiche Leben des Grazer Komponisten Heinrich von Herzogenberg werfen, dessen Geburtstag sich 2018 zum 175. Mal jährt. Es ist dem Grazer Kammerchor ein besonderes Anliegen, sich mit dem Werk dieses bedeutenden Grazer Künstlers auseinanderzusetzen, dessen Schaffen in seiner Heimatstadt – mit wenigen Ausnahmen – bis heute nicht adäquat gepflegt wird. So begibt sich das Vocalforum Graz und sein Leiter Franz M. Herzog auf eine spannende, musikalisch reiche Entdeckungsreise mit dem Ziel, Herzogenbergs Musik in Graz, aber auch über die Grenzen der Steiermark hinaus, wieder aufleben zu lassen. 
Der „Herzogenberg-Freundeskreis“ (nachfolgend dem „Verein Internationale Herzogenberg-Gesellschaft“) mit Sitz in der Schweiz plant die Realisierung des Projekts ebenfalls zu unterstützen.    
Im Mittelpunkt des Abends steht Heinrich von Herzogenberg, als Heinrich Picot de Peccaduc, Freiherr von Herzogenberg im Juni 1843 in Graz geboren. Nach seiner Schulzeit in Graz studierte er in Wien sowohl Rechtswissenschaften als auch Komposition. Über seinen Kompositionslehrer Felix Otto Dessoff kam er in Kontakt mit Johannes Brahms und lernte in der adeligen Wiener Gesellschaft seine Frau Elisabeth von Stockhausen kennen, eine musikalisch hochbegabte Frau, die Klavierschülerin von Johannes Brahms war. 1868 heirateten die beiden und kehrten nach Graz zurück, wo sie sich intensiv am lokalen Musikleben beteiligten. Ihr Haus war schnell zum Treffpunkt der zeitgenössischen musikalischen Elite geworden. Heinrich komponierte und engagierte sich für den „Steyermärkischen Musikverein“, wo er mit seiner dramatischen Kantate „Columbus“  und der Symphonie „Odysseus“ große Erfolge feierte. Zudem war er als Dirigent und in verschiedenen offiziellen Funktionen im Grazer Singverein tätig. Nach einigen Jahren freischaffenden Künstlertums in Graz zogen die Herzogenbergs 1872 nach Leipzig, wo er den neu gegründeten Bach-Verein leitete und dort erstmals einem breiteren Publikum das Kantatenwerk Johann Sebastian Bachs präsentierte. Elisabeth unterstützte ihn dabei als Sängerin und Pianistin und setzte sich mit großem Einsatz für seine Kompositionen ein. Die Bekanntschaft der Herzogenbergs mit Johannes Brahms intensivierte sich, ein reger Briefwechsel mit Austausch von Kompositionen und die Gastfreundschaft der Herzogenbergs für Brahms bei dessen Leipziger Auftritten folgte. 1885 wurde Herzogenberg schließlich Professor für Komposition an der Berliner Musikhochschule. Als 1892 seine Frau im Alter von 44 Jahren verstarb, komponierte er vermehrt Kirchenmusik – zuvor schrieb er vor allem Kammermusik, Chor- und Sololieder sowie Sinfonien. Heinrich von Herzogenberg verstarb 1900 in Wiesbaden, wohin er zur Pflege seiner Rheumaerkrankung übersiedelt war. 
Ausführende:
Vocalforum Graz
Ninja Reichert | Christian Ruck | Peter Uray, Sprecher/Darsteller
Steven Anthony Whiting, Inszenierung
Polina Sasko, Klavier
kleine Solistenrollen: Dorothea Stolberg (Alt),  Csaba Szönke (Bass), Christian Dolcet (Klavier)
Franz M. Herzog, Konzept und musikalische Leitung
Birgitta Wetzl, Stimmcoach
Programm: Motetten und Lieder für gemischten Chor von Heinrich von Herzogenberg
Aus „Acht Klavierstücke“ von Elisabeth von Herzogenberg
Lesung aus Briefen von Elisabeth & Heinrich von Herzogenberg an J. Brahms