Was die anderen über uns sagen

Franz M. Herzog konnte auf sattelfeste Jungsänger setzen.

GRAZ. Die Josefskirche bietet den akustisch nicht ganz friktionslosen Rahmen für das Projekt von Dirigent Franz M. Herzogs Vocalforum Graz, in der dort neu etablierten Konzertreihe die englischen Oratorien G.F. Händels chronologisch aufzuführen.

Der Erstling, „Esther“ (1718), von dem in Graz keine Aufführung bekannt sind, ist ideal für den Einstieg. Die Handlung ist dramatisch: In knapp 90 Minuten wird erzählt, wie die Jüdin Esther den persischen Könich und seinen finsteren Minister Haman hindert, ein Progrom zu begehen.

Exzellente Instrumentalisten von „Musica Coeli Graz“ legten den Klangteppich aus für sattelfeste Solisten. Lina Marcela Lopez sang lupenrein die Esther, Ewald Nagl drohte mit Basskraft als Haman. Drei Tenöre phrasierten stilsicher. Countertenor Falvio Ferri-Benedetti und Irma Mihelic fesselten das Publikum.

Hansjörg Spies

Kleine Zeitung"Esther" siegte erstsmals in Graz

Wird ein „mystisches a cappella Programm“ mit Alter und Neuer Musik angekündigt, gibt es das Risiko von gepflegter Langeweile. Nicht so beim Vocalforum Graz unter Franz Herzog

Mit „Leonardo Dreams“ gelang in der Franziskanerkirche ein spannendes, lebendiges Konzert. Schon beim Auftakt mit Josquin Desprez‘ Kanon für 24 (!) Stimmen war jedes einzelne Chormitglied solistisch gefordert. Bei Allegris „Miserere“ klang das in der Apsis stehende Solistenquartett (Nataliya Lukina, Eva Dirninger, Daniel Angerbauer, Eva Gugerbauer) wie aus anderen Sphären und auch bei Beat Furrers „Enigma“, bei Whitacre und de Morales gelangen beeindruckende Interpretationen.

Kleine ZeitungWenn Leonardo da Vinci träumt

Vocalforum: „Carmina New“ zum 30. Jubiläum

Carl Orffs „Carmina Burana“ ist wohl eines der berühmtesten Chorwerke. Zum 30. Jubiläum des Amateurchors Vocalforum Graz wurde die mittelalterliche Textsammlung am Sonntag unter dem Titel „New Carmina“ neu aufgelegt.

Tiefgründig, zeitkritisch und aktuell bleibt das Werk, das vor Jahrhunderten in Benediktbeuern entstanden sein dürfte, auch heute noch, wie Text-Experte Thomas Höft erklärt: „Das beschreibt eine gesellschaftliche Realität, in der geschmiert wird, bestochen wird, in der die Dummen lachen und die Menschen, die Verstand haben, unter die Räder kommen. Und da kann man sich nur sagen: Es hat sich nicht viel geändert.“

„Jedes Stück hat Qualität“

Die Neuvertonung der Texte hat sich das Vocalforum Graz nun zum 30. Geburtstag geschenkt – drei Jahre lang wurde das Projekt vorbereitet, zwölf Komponisten aus dem In- und Ausland wurden dazu eingeladen, und vertonten ausgewählte Texte. Franz M. Herzog, der Leiter des Vocalforums Graz, betont: „Jedes Stück hat Qualität, da gibt es keine Ausnahme. Jedes Stück hat etwas ganz Besonderes, trifft den Text.“

Diese große musikalische Vielfalt gab es am Sonntag im Zuge der Welturaufführung live in der Grazer Helmut-List-Halle zu erleben – zum Beispiel beim Stück „Wo man den Esel krönt, ist das Land entehrt“. Höft erklärt: „Das passt auf einen König genauso wie auf Donald Trump. Die Antwort, die die Texte geben, ist: Achtet drauf, lasst euch nicht den Mund verbieten, schreitet ein, wenn Unrecht geschieht.“

Unterschiedliche Zugänge der Komponisten

Das Konzert, das auch zur CD- und DVD-Produktion mitgeschnitten wurde, zeigt die unterschiedlichen Zugänge der Komponisten, die nicht nur am Sonntag, sondern auch bei den Proben anwesend waren, wie Herzog erzählt: „Bei diesem direkten Kontakt mit den Komponisten sind auch teilweise Noten ausgebessert worden, das hat man ja sonst nie.“

Bericht auf Steiermark Heute zur "New Carmina"

Kritik der Kronen Zeitung vom 23.Mai 2017 Zur Uraufführung der New Carmina

Kritik in der Kleinen Zeitung zur UA der New Carmina